Rekonstruktion der Ereignisse der 1. Bürgerinitiative am 20.10.89 im Kirchgemeindehaus - 6. EC

Bürgerinitiative im Kirchgemeindehaus

6. Zeitzeugenforum  – Die Bürgerrechtler Herr Dr. Ernst Wirth und Frau Dr. Helga  Dietze erinnern sich an die Ereignisse am 20. Oktober 1989.

Herr Dr. Ernst Wirth und Frau Dr. Helga Dietze gehörten im Herbst 1989 zu den ersten Bischofswerdaern, die sich für freiheitlich-demokratische Veränderungen in der damaligen DDR einbrachten. Am 14. Februar 2011 sprachen sie in einer kleinen Erzählcafé-Veranstaltung über ihre Erinnerungen an diese bewegte Zeit. Eingangs des Zeitzeugengesprächs betonte Herr Dr. Wirth, dass es wichtig sei, Daten und Fakten gemeinsam zusammenzutragen und der Nachwelt zu überliefern, denn auch er habe sich damals in der Hektik der Ereignisse kaum Notizen gemacht.

Hr. Dr. Wirth im Gespräch mit Fr. Dr. Helga Dietze...
Dr. Wirth erzählt von den Anfängen der freidlichen...

Innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Bischofswerda habe er vor allem in Pfarrer Christian Näcke und Kantor Wilfried Vetter Menschen gefunden, mit denen er offen über Fragen der Freiheit und des demokratischen Mitspracherechtes in der DDR reden konnte, betonte er. So ist es nicht verwunderlich, dass am 20. Oktober 1989 das 1. Treffen in der Bischofswerdaer Christuskirche stattfand.

 „Großartige Einladung drucken konnten wir dafür nicht. Jeder sagte es seinem besten Freund, von dem er wusste, er hegt ebenfalls solche Gedanken“, beschreibt Frau Dr. Dietze die damaligen Geschehnisse. In ihrem Besitz ist noch ein kleiner mit Schreibmaschine geschriebener Aufruf mit dem Inhalt:

 „Sorge um unser Land! Wir möchten mitreden und gehört werden in dieser Zeit. Dialog der Parteilosen. Freitag, 20.10.1989, 19.30 Uhr in Bischofswerda,  Kirchgemeindehaus“

 Doch das Kirchgemeindehaus, das zeigte sich sehr schnell, reichte nicht aus für die Menschen, die da kamen. Deshalb öffnete Herr Pfarrer Näcke die Christuskirche für diese Zusammenkunft. „Als ich ankam, war die Kirche zu meinem Erstaunen schon sehr voll. Das hatte ich nicht erwartet“, erinnert sich Frau Dr. Dietze. Ich hatte mir gedacht, in kleiner Runde zu Themen wie Reise- und Pressefreiheit zu sprechen.“ Die Veranstaltung wurde durch den damaligen Pfarrer Christian Näcke in seiner Funktion als Hausherr eröffnet, so Frau Dr. Dietze. Redner an diesem Abend waren Dr. Ernst Wirth, Dr. Marc Naupert und Dr. Helga Dietze.

Und Dr. Wirth ergänzt: „Wir hatten damals noch keine umstürzlerischen Absichten. Uns ging es in erster Linie um mehr Toleranz in der Gesellschaft und um einen friedlichen Meinungsaustausch. Wir wollten, angesichts der Massenflucht über Ungarn und der Belagerung der Deutschen Botschaft in Prag, eine reformierte DDR“.

Auch die Brüder Kai und Sven Urban aus Bischofswerda nahmen an dieser Veranstaltung teil. Sie hatten damals bereits Kontakt zum Neuen Forum. „Wir hatten einige Exemplare des Gründungsaufrufs mit, den Bärbel Bohley für das Neue Forum verfasst hatte“, erinnert sich Sven Urban. „Wir setzten uns ganz hinten auf die letzte Bankreihe in der Kirche und verteilten diese Blätter. Im Anschluss dieser Veranstaltung kam es zu einer spontanen Kundgebung durch die Stadt. Das war die erste friedliche Demonstration in Bischofswerda“, so Sven Urban weiter.  

 

Überarbeitete Fassung eines Beitrages von Verena Mann

  

 

20Jahre

20 Jahre friedliche Revolution
im Raum Bischofswerda

Erzählcaféreihe zur friedlichen Revolution -
eine Initiative der Sächsischen Staatsregierung und der Zeitzeugenbörse Bischofswerda

Freistaat